Woche 3 begann mit einer „Dienstbesprechung“
Im Ernst: wir bekamen ein paar wichtige Verhaltensempfehlungen erklärt. Wir dürfen in Straßenschuhen in den OP, manche Mitarbeiter gehen in OP Kleidung (Scrubs) nach Hause und kommen so auch amnächsten Tag wieder zur Arbeit. Aber wir sollen unsere eigenen OP Mützen nur einen Tag tragen und danach waschen. Wir sollen möglichst kein Rasierwasser oder Parfüm tragen, weil sich Amerikaner dadurch belästigt fühlen könnten.
Die ganze Woche stand für Tom im Zeichen des OPs und der Arbeit dort. Es war die zweite OrientierungsWoche und soll mit der Selbstständigkeit enden. Abgesehen von einer sehr schönen Aussicht aus dem OP mit der Skyline von Milwaukee im Hintergrund, war die OrientierungsWoche von vielen Eindrücken, neuen Dingen, Lerninhalten geprägt. Immer wieder wurde Tom verschiedenen Faculties oder NurseAnesthetists zugeteilt, von denen sich die Abläufe sehr gut abschauen ließen. Darunter auch Murat aus Istanbul (s. Foto), der schon 21 Jahre in den USA lebt und über die Arbeit im OP eine Menge guter Tipps auch außerhalb des Krankenhauses geben kann. (wo gibt es gutes Gemüse, welcher Supermarkt es preiswert, wo lebt es sich gut und so weiter).
Am Mittwoch mussten wir unseren Mietwagen nach drei Wochen wieder abgeben, was kein Problem mehr war, denn wir hatten ja jetzt unseren eigenen Gebrauchtwagen. Dafür sind wir nach Downtown Milwaukeegefahren, genau an dem Nachmittag, an dem Präsident Biden zu Besuch nach Milwaukee kam. Die Stadt war ziemlich leer, sehr viele Straßen von der Polizei und den Sheriffs gesperrt, Hubschrauberkreisten über der Innenstadt, aber wir konnten unseren Mietwagen unbehelligt an der Mietwagenstation abgeben. Danach sind wir mit unserem eigenen Auto zum DMV gefahren und haben uns für unserenFührerschein angemeldet, den wir ganz  ohne theoretische Prüfung (und wir waren fast ein wenig enttäuscht, dass wir vorher so viel gelernt hatten) und ohne praktische Prüfung bekommen haben,denn ein deutscher Führerschein genügt in Wisconsin, um den Führerschein ohne zusätzliche Prüfungen zu bekommen. 
Das Missgeschick der Woche passierte im Fitnessstudio, in dem wir uns gerade erst angemeldet hatten. Ich habe mich ungeschickt auf meine Brille gesetzt, die daraufhin beide Brillenbügel amputiert hatte. Ersatzbrillen habe ich, aber  allesamt in Lanzarote. Ein ziemliches Problem, ich kann zwar ohne Brille im OP arbeiten und auch lesen, ich kann aber nicht ohne Brille Autofahren.Außerdem wollten wir am nächsten Tag zum DMV der Zulassungsbehörde, um unseren Führerschein zu beantragen. Den bekommt man aber nur nach einem bestandenen Sehtest. Ohne Brille etwas schwierig. Alsosind wir ersteinmal losgezogen, um eine Brille oder vielleicht wenigstens übergangsweise Kontaktlinsen zu finden. Wir haben gelernt, dass man so etwas, anders als in Europa, nicht ohne ärztlicheVerschreibung nach einer Augenuntersuchung bekommt. Daher endete dieser Tag stattdessen mit Sekundenkleber, mit dem ich die Brillenbügel notdürftig wieder an die Brille angeklebt habe. Etwas fragil,hat aber gereicht, um die Brille zum Autofahren und für den Sehtest am nächsten Tag aufzusetzen. 
Der Abschluss der Woche war erneut im Kegel Inn mit dem traditionellen Freitad Fish Fry, einem Wurstteller als Vorspeise und angeblich Früh Kölsch. Zumindest heißt es so. Es hatte uns die Woche zuvor einfach zu gut gefallen. Diesmal sind auch die anderen mitgekommen (Jan mitseiner Frau aus Amsterdam, und auch Jens), so dass wir diese Gelegenheit genutzt haben, um Jan’s und meine Graduation zum selbstständigen attending  zu feiern.
Am Samstag sind wir nach Madison, der Hauptstadt des Staates Wisconsin, gefahren, einen Ausflug circa 70 Meilen beziehungsweise 120 km nach Westen. Dort hatten wir ein Optikergeschäft mit Augenärztin, die dort Augenuntersuchung macht und danach das nötige Rezept ausstellt, ausfindig gemacht. Für 140 $ Dollar habe ich eine ausführliche Augenuntersuchung inklusive Augenhintergrund, Hornhaut, Linse und natürlich Sehtest bekommen. Dann haben wir eine neue Brille bestellt und Kontaktlinsen zum Sofortmitnehmen bekommen. 

Madison war im Vergleich zu Milwaukee, eher enttäuschend, eine Kleinstadt, in der selbst am Samstagmittag nicht viel los zu sein schien. Wir sind davon überzeugt, dass in Gummersbach, der Hauptstadt des oberbergischen, definitiv mehr los ist.

Dennoch gab es sehenswertes, nämlich das Capitol im Zentrum. Es ist das Capitol des Staates Wisconsin und in etwa von der Bedeutung wie der Reichstag in Berlin für den Staat  Deutschland. Außerdem ist das Capitol der Sitz des Gouverneurs (siehe Foto mit der Tür zu seinem Amtssitz).
Die Fotos zeigen, dass das Capitol ein beeindruckendes Gebäude ist, dass auch innen eine schöne Architektur hat und etwas würdevolles ausstrahlt.
Zum Schluss eine kleine Episode: wir sind in Madison noch in einem netten Café mit dem klingenden Namen Michelangelo einen Kaffee trinken gegangen. Hier demarkiert sich der Unterschied zwischen Amerikanern und Europäern, während die Amerikaner sich an der Theke ihren Kaffee holen und dann am Tisch aus Pappbechern mit einem Plastikdeckel Kaffeetrinken, haben wir nachPorzellantassengefragtund tatsächlich auch bekommen. Fanden die Kaffeebesitzer aber ein wenig ungewöhnlich ( mussten erstmal nachfragen, ob es Porzellantassen gibt) und ein wenig befremdlich. Klar,wir sind ja auchFremde, zumindest aus deren Sicht. 

Die nächste Woche beginnt ab jetzt für euch immer Sonntagnachmittag, heute Nachmittag mit St. Patrick‘s Day, vielen grünen Iren und vielen grünen Getränken, so dass heute Nachmittag Woche 4 startet,die ihr nächsten Sonntag bei euch nachmittags nachlesen könnt.