Uiuiuiui, das war eine Woche, ihr werdet schon lesen. Kaum war Andrea unterwegs nach Lanzarote und ich hatte meine Nachtdienst Woche gestartet, passierte zu Hause eine ziemliche Katastrophe. Nach dem Duschen lief in unsere Küche (genau unter dem Badezimmer) das Wasser aus der Decke, nicht getröpfelt, sondern gelaufen. Ganz offensichtlich ein Bruch des Abwasserrohrs aus der Dusche. Ich habe die halbe Küche mit Badetücher ausgelegt, um das Wasser auf zu saugen. Am nächsten Tag kam der Notdienst und hat die Decke aufgemacht, das undichte Rohr gefunden, und dabei eine Menge Staub und Dreck hinterlassen. Reparieren müsste es ein Installateur, der wiederum am nächsten Tag kommen sollte. 
Dann hatte ich erst mal für drei Tage sechs Ventilatoren in der Küche stehen, die die Decke trocknen sollten. Der Installateur kam, hat das Problem erkannt, hat verstanden, dass ihm das Ersatzteil fehlt, hat das Ersatzteil bestellt, das Ersatzteil hat nicht gepasst, und so weiter. Also konnte ich drei Tage lang die Dusche nicht nutzen und die Küche sowieso nicht. Kein wirklich spannendes Unterhaltungsprogramm in einer Nachtdienstwoche. 
Apropos Nachtdienst Woche: ich habe sieben Nächte am Stück gemacht, jeweils abends um 18:30 Uhr hinein ins Krankenhaus, morgens um 7:30 Uhr raus aus dem Krankenhaus. So etwas habe ich schon sehr lange nicht mehr gemacht, vielleicht zuletzt vor 29 Jahren, als ich in Köln auf der Intensivstation war. Es ist insofern sehr anstrengend, weil wir in Milwaukee praktisch die ganze Nacht arbeiten und nicht zum Schlafen kommen, es ist das Unfallzentrum Nummer 1 in Wisconsin und alle Unfälle und Schussverletzten kommen zu uns. Und die Schussverletzten kamen jede Nacht, jede Nacht mindestens ein Patient mit Schussverletzung. Manche haben 13 Löcher und überleben, manche haben nur ein Loch und sterben leider bei uns im OP. Die Bilder erspare ich euch freilich, nur zwei Fotos, die Euch zeigen, wie ein wertvolles Menschenleben von einem Menschen, der geliebt wurde, innerhalb weniger Augenblicke zu Ende ist und recht sachlich in die Gerichtsmedizin gebracht wird.
Die Zeitungen berichten quasi wie über eine Statistik darüber, es wird in einer Aufzählung erwähnt, als müsste man über ein normales Tagesgeschehen berichten.
Inzwischen ist das Abflussrohr repariert und ich konnte die Dusche wieder nutzen. Die Decke in der Küche ist noch nicht wieder instandgesetzt, aber die Ventilatoren wurden abgeholt und ichkonntedanach die Küche zumindest wieder nutzen. Nach meinen Nächten habe ich dann zu Hause erst mal geputzt, alles war staubig und dreckig. Am Freitagabend habe ich unser Haus verlassen und bin zumeinemletzten der 7 Nachtdienste gefahren und bin von unserem Nachbarn Dick (85 Jahre alt), sehr nett verabschiedet worden. Er weiß, dass wir jetzt für drei Wochen weg sind, passt auf unser Hausauf, Stellt auch unsere Mülltonnen raus, ist aber trotzdem traurig, dass wir weg sind, weil er recht einsam ist. Am Samstagmorgen bin ich dann um 7:00 Uhr aus dem Krankenhaus raus, habe mich aufdieBank vor das Krankenhaus gesetzt und auf das Taxi gewartet, dass mich zum Flughafen fahren sollte. Ich bin also aus dem Nachtdienst heraus direkt auf Reisen gegangen.
Dann bin ich von Milwaukee zunächst nach Chicago, dann von Chicago nach New York und letztendlich gestern Abend in das Flugzeug von New York nach Dublin gestiegen, das mich über Nacht überdenAtlantik zurück nach Europa geflogen hat. Heute Morgen bin ich genau auf den Tag (Ankunft Amerika am 21. Februar) nach fünf Monaten das erste Mal wieder auf europäischen Boden gewesen. Aus Dublin berichte ich euch dann nächstes Wochenende im Blog über die Woche 22.