Erneut ist eine Woche rum, aus der ich euch ein paar Highlights berichten möchte. Wir haben hier zwar Sommer, der auch sehr schön ist, sonnig und warm und um die 25°, manchmal bis 30°,
dazusehroft,fast tropisch schwül, was wohl in der Nähe zu den großen Seen mit sehr viel Wasser begründet ist. Aber auch dadurch, dass im Sommer der Wind eher von SüdWesten kommt und über den Golf von
Mexiko und die Südstaaten zu uns in den mittleren Westen kommt. Es führt auch dazu, dass sich das Wetter hier sehr schnell und sehr plötzlich ändert, von einer Stunde auf die nächste, und wir hier
sehr viele Gewitter mit Starkregen und manchmal Tornado-Warnung haben. So kann es sein, dass wir wie letzten Sonntag bei strahlendem Wetter Spazieren gehen (die Bilder sind vom Park am Mennomonee
River,der ja bei uns mitten durch das Städtchen fließt), und 1 Stunde später Weltuntergangsstimmung ist, wo wir bei Starkregen kaum noch aus dem Fenster schauen können.
Ansonsten haben wir diese Woche fast jeden Abend draußen auf unserer kleinen Terrasse gesessen, auch mal wieder gegrillt, das Blätterdach des riesigen Baumes (eine bestimmt über 100-jährige Eiche)
genossen und uns von dem einen oder anderen Glühwürmchen anfliegen lassen. Abends in der Dämmerung kommen die Glühwürmchen heraus, und übernehmen die Gärten, und lassen dabei immer wieder ein
grünlich fluoreszierendes Licht aufleuchten. Die Fotos geben es nicht so richtig wieder, zumal es sehr schwierig ist, im richtigen Augenblick die Kamera auszulösen, da das grünliche Licht nur sehr
kurz zu sehen ist.
Diese Woche hatte ich eine sehr berührende Situation im Krankenhaus, weil ich das erste Mal in meinem Leben an einem sogenannten „Honor Walk“ teilgenommen habe. Dabei handelt es sich, kurz gesagt,um
die ehrenvolle Verabschiedung eines Organspenders, der von der Intensivstation in den OP gebracht wird, um dann dort zu sterben. Auf dem Weg dorthin ist der gesamte Weg von Menschen gesäumt, die ihm
die letzte Ehre erweisen. Er wird also in seinem Bett, (beatmet, wie er ist), durch die Spalier-stehende Menschenmenge geschoben, die sich anschließend dem letzten Gang anschließen. Die Menschen,die
ihm die letzte Ehre erweisen, sind sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses (von der Intensivstation, aus dem OP) und natürlich seine Angehörigen und Freunde. In diesem Falle
waren es sicherlich über 200 Menschen. Der Patient selber war erst 23 Jahre alt und hatte eine Woche zuvor einen Unfall auf seinem Motorrad, leider unbehelmt (in Wisconsin gibt es keine
Helmpflicht).Im OP haben sich die engsten Angehörigen (Vater, Mutter, Geschwister) von ihm noch einmal verabschiedet, während er dann dort verstorben ist. Für mich war das eine sehr berührende
Situation.
Überhaupt habe ich diese Woche wieder einmal gemerkt, dass meine Arbeit hier alleine dadurch anstrengend ist, weil hier schlimme Verkehrsunfälle und auch Schussverletzungen zur Tagesordnung gehören
und ich mich sicherlich nie ganz daran gewöhnen werden kann.
Alles unnötige, geradezu unsinnige, und vor allem vermeidbare Verletzungen.
Letzte Nacht, von der ich gerade eben zurückgekommen bin, habe ich eine Serie von 7 Nachtdiensten im Krankenhaus gestartet, in denen ich mit einer Kollegin in den Nächten für die anästhesiologische
Betreuung der Katastrophen verantwortlich bin. So kamen in der letzten Nacht gegen 3:30 Uhr vier Schussverletzte gleichzeitig in die Notaufnahme, bei deren Ankunft wir zugegen sein müssen. Drei von
Ihnen waren in einen Verkehrsunfall verwickelt, bei dem einer ein Stoppschild überfahren hatte, und daraufhin einer der Beteiligten aus Frustration auf die Anderen geballert hat.
Ich halte mich in der Notaufnahme immer im Hintergrund, ist auch so erwünscht, und habe mich kurz mit den Sheriffs unterhalten. Ich habe gesagt „too many guns out there“, Und einer der Sheriffs hat
geantwortet „no, no, too many stupid people out there“. Ihr versteht ? Es liegt nicht an den Waffen. 😫
Zum Abschluss dieser Woche lasse ich euch noch an einer durchaus witzigen Erkenntnis teilhaben: Andrea und ich haben uns Termine beim Chiropraktiker gemacht, um etwas für unsere Rücken-Gesundheit und
Rücken-Wellness zu tun. Wir waren zu früh und haben beschlossen, noch um die Ecke einen Kaffee trinken zu gehen. Außer dem großen M gab es leider nichts anderes, wir konnten uns aber daran erinnern,
dass wir auf Reise drei (die Wohnmobil Tour durch den Südwesten der USA) mit Espresso bei McDonald’s in Arizona und New Mexiko nicht so schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Hier gab es jetzt keinen
Espresso, dafür hat sich Andrea ganz mutig einen Cappuccino bestellt. Das Ergebnis seht ihr auf dem Foto: Von unseren Vorstellungen oder gar italienischen Vorstellungen ist dieses Heißgetränk Welten
entfernt. Selbstverständlich haben wir nachgefragt und zurecht zeigt, dass dieser vermeintliche Cappuccino auch nichts anderes als eine schwarze heiße Brühe ist. Ja, das darf wohl so auch sein, zumal
das Getränk aus einem Automaten kommt, es muss auch nicht aussehen wie Cappuccino, aber es sollte ein Cappuccino Aroma beim Trinken haben. Gut, davon war es die selben Welten entfernt.