Am Sonntagmorgen am letzten Wochenende waren wir ja noch in New York und sind recht früh zum Battery Park an der Südspitze von Manhattan gefahren und dort auf die Fähre Richtung Liberty
Island.Eswardie erste Fähre des Morgens, trotzdem waren wir natürlich nicht die einzigen Touristen in Richtung Freiheitsstatue. Je näher wir uns der Freiheitsstatue genähert haben, desto mehr bekam
unsere Fähre Schlagseite nach rechts, weil alle mit ihren Handys zum Fotografieren auf die Seite der Insel wechselten.
Wir haben uns bewusst gegen den Aufstieg innerhalb der Statue entschieden und stattdessen eine sehr schöne Audio Tour über die Insel gemacht. Die Insel, die ursprünglich den Indigenen gehört hat,
diesich überwiegend von Austern ernährt haben, die 1565 von einem Holländer gekauft wurde, die nach dem Bürgerkrieg 1865 als Festung benutzt wurde und auf der letztendlich Ende des 19. Jahrhunderts
ein Franzose namens Bartholini die Statue of Liberty errichtet hat.
Dann waren wir anschließend mit der Fähre noch auf Ellis Island, eine kleine Insel neben Liberty Island, über die alle Einwanderer in die USA kommen mussten, dort untersucht wurden,registriert wurden
und eingebürgert wurden. Es sei denn: sie waren krank, oder sie hatten kein Geld, oder sie standen im Verdacht Kriminell zu sein. Dann wurden sie abgelehnt und kurzerhand mit den Schiffen ( mit denen
sie über den Atlantik gekommen waren) zurück in ihre Herkunftsländer geschickt.
Für uns war es sehr spannend, weil auch alles so erhalten geblieben ist beziehungsweise wieder instandgesetzt wurde, wie es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf dieser Insel wirklich
zugegangen ist.
Anschließend sind wir mit der Fähre zurück nach Manhattan gefahren und haben von dort aus eine Stadtwanderung Richtung unseres Hotels gemacht. Zunächst sind wir durch den Financial District
gewandert, an der Börse Wall Street vorbei ( ein eher unscheinbar wirkendes Gebäude), und auch an dem berühmten Stier, wo es WarteSchlangen von Menschen gab, die sich nur angestellt haben, um dann,
wenn sie an der Reihe waren, von sich ein Foto zu machen.Dafür haben sie sich sogar auf den Fußboden gelegt, um unter den Hoden des Stiers zu liegen. Für uns erschien es etwas befremdlich und wenig
nachvollziehbar, so dass wir weiter gezogen sind.
Als Nächstes kamen wir durch Chinatown, ein quirliges, lebendiges Viertel mit vor allem vielen Restaurants und Geschäften, ähnlich wie in San Francisco, wo wir es auf unserer Reise im Oktober letzten
Jahres schon einmal ähnlich beschrieben haben. In den Parks sitzen die Menschen und spielen an öffentlichen Tischen Brettspielen, selbstverständlich nicht ohne Maske (bitte nicht nach der
Sinnhaftigkeit fragen), in den Geschäften wird sehr viel Eßbares auch viele lebendige Tiere verkauft, erneut auch wieder lebende Frösche.
Abends waren wir dann noch in Little Italy, dem italienischen Viertel, das vor allem durch seine Straßenrestaurants wunderbar gewirkt hat. Wir haben das erste Mal seit drei Monaten wieder richtig
italienisch gegessen und sind auf diese Art und Weise der amerikanischen Küche geschickt entkommen. Das erste Mal seit drei Monaten Spaghetti, wunderbar al dente, offensichtlich waren in derKüche
auch Italiener beschäftigt.
Am Ende des Sonntag in New York haben wir wieder um die 13 km zu Fuß durch die Stadt gemacht und einen sehr schönen, lebendigen, außergewöhnlichen Eindruck von New York City bekommen.
Am Montagmorgen hatten wir noch ein wenig Zeit, bevor wir nach New Jersey zum Flughafen mussten, und sind noch bis zur Gedenkstätte des 11. September 2001 gewandert, dort, wo zwei riesige umrandete
Löcher im Boden als Mahnmal an die beiden Türme des ehemaligen World Trade Center erinnern. Von dort sind wir zum Hudson River und anschließend mit dem Bus zum Flughafen. Am Montagabend waren wir
dann wieder in Milwaukee und haben nach dem sommerlich heißen, quirligen, lebendigen, aber auch sehr lauten Wochenende in New York City die Ruhe unseres kleinen Dorfes genossen.
Ansonsten ist die letzte Woche recht unspektakulär verlaufen, es waren ja für mich auch nur vier Arbeitstage, keine Polizeieinsätze vor unserer Haustüre, keine Unwetter, keine spektakulären Vorfälle
im Krankenhaus, so dass wir recht entspannt am Freitag spätnachmittags nach der Arbeit mit meinem Freund und Kollegen, Holger, in unserem Auto nach Chicago aufgebrochen sind, um jetzt aktuell
das Wochenende in Chicago zu verbringen. Auslöser ist ein sehr beliebtes und sehr bekanntes Blues Festival, dass jährlich stattfindet und prominente Musiker präsentiert, aber auch, weil wir nach dem
letzten Wochenende in New York sehr gespannt sind, wie sich eine andere amerikanische Großstädte präsentiert.
Am Freitagabend sind wir in unserem Viertel noch eine Kleinigkeit essen gewesen und haben in einer sehr schönen Hinterhaus-Atmosphäre ein Bier getrunken. Diese Hinterhaus-Atmosphäre mit Biergarten
zwischen den Häusern hat uns sehr gut gefallen und sogar ein bisschen an Köln erinnert.
Man kann sich auch einen so genannten „Flight“ bestellen, eine kleine Batterie aus ProbierGläschen, was sich vor allen Dingen anbietet, wenn die Auswahl an zapfbarem Bier groß ist.
Gestern, am Samstag, sind wir dann nach Downtown Chicago und sind dort sehr viel gewandert und haben einen sehr positiven und erneut lebendigen Eindruck einer Großstadt bekommen.
Spannend auch die Brücken über den Chicago River, die jedes Mal, wenn zum Beispiel ein Segelboot den Fluss abwärts kommt, unter starken Gebimmel der Warnglocken aufgeklappt werden.
Nachmittags sind wir dann in den Millennium Park am Michigan See, wo das Blues Festival stattfindet, Eintritt frei, drei verschiedene Bühnen, viele Menschen, tolle Live Acts. So zum
BeispielAl„Hurricane“ Spears mit seinem Hurricane Project auf der Bühne der berühmten Chicago Blues Kneipe Rosa‘s Lounge. Ihr Sänger, Herman Hines, muss wohl schon weit über die 80 sein, sah eher aus
wie100,musste von zwei Helfern auf einen Stuhl vor die Band gesetzt werden, aber als er den Mund zum Singen aufmachte, sind wir alle aus dem Häuschen gewesen: eine laute und klare und einzigartige
Stimme, die das Publikum in Ekstase versetzen konnte.
Dann haben wir die Bühne gewechselt und sind rüber zu der Bühne, wo die Musiker aus Mississippi aufgetreten sind. Mississippi gilt als die Geburtsstätte des amerikanischen Blues, und dementsprechend
frenetisch wurde dort gefeiert. Wir haben uns bewusst den Live act von Melvin Taylor ausgewählt, ein erstklassiger Blues Gitarrist, der uns auch verzaubert hat, weil er Gitarre mit klassischer
Hammond Orgel kombiniert.
Heute, am Sonntag, fahren wir noch einmal zum Blues Festival zurück, bei uns ist es erst 9:30 Uhr morgens, denn heute Abend ist der Höhepunkt der Auftritt von Buddy Guy, der ja einer der
weltbekanntesten Blues Musiker überhaupt ist. Danach fahren wir wieder nach Milwaukee zurück und müssen ja auch morgen wieder arbeiten.
Bilder vom heutigen Sonntag und womöglich auch von Buddy Guy werde ich dann nächstes Wochenende unter Woche 16 nachreichen. Euch allen einen schönen Restsonntag, wir müssen jetzt los, Chicago
unsicher machen, wenn das überhaupt geht.