Wir wünschen euch allen einen frohen ersten Advent. Neun Monate sind rum und wir zeigen euch heute am ersten Advent, was wir im November erlebt haben. Der November war bemerkenswert und
begannleidermit dem Abschluss der Golfsaison. Bei strahlendem schönen Sonnenwetter haben wir unsere letzte Runde Golf für dieses Jahr, zumindest in den USA, abgeschlossen. Danach haben wir unsere
Schlägerschönsauber gemacht und über den Winter an einem trockenen Plätzchen zu Hause eingelagert.
Außerdem gab es Anfang November hier in den USA die Wahl des neuen Präsidenten, womöglich hat sich das Ergebnis auch bis zu euch rumgesprochen. Ob Europäer oder sonst wer in der Welt mit dem Ergebnis
zufrieden sind oder nicht, interessiert den Amerikaner hier nicht. Die Amerikaner haben sich entschieden, es war ihre Wahl, sie werden wissen, warum.
Anfang November war auch Veteran‘s Day, den die Amerikaner sehr pflichtbewusst feiern, da ihr Verhältnis zu Ex Soldaten von moralischer Dankbarkeit geprägt ist. So sagen Amerikaner im Alltag zu einem
Veteran regelmäßig den Standardsatz „thank you for your service!“
Als Veteran gelten alle Ex Soldaten, auch jüngere Assistenzärzte aus meiner Abteilung zum Beispiel, die vorher zum Beispiel vier Jahre in der Armee gedient haben.
Rund um den Veteran’s Day findet man überall Erinnerungen, selbst bei einem regulären Basketballspiel, zu dem wir wieder einmal gegangen sind, wurde so etwas wie eine Parade aufgefahren.
Das 1. Novemberwochenende war für mich ein langes Wochenende, drei Tage, so dass wir zu einem kleinen Strandurlaub nach Miami geflogen sind. Mit dem Auto nach Chicago, von dort 3 Stunden Flug. Vom
Flughafen Miami mit dem Taxi Richtung Miami Beach, vorbei an mindestens 10 Kreuzfahrtschiffen, einige normal groß, andere riesig, ganz offensichtlich beginnt mit dem November die Kreuzfahrt Saison
für die Karibik. Die meisten Kreuzfahrtschiffe legen dann in Miami ab und kommen später hier wieder an.
In Miami Beach hatten wir standesgemäß ein Hotel direkt auf der Strandpromenade Ocean Drive, so dass wir uns zum Sun Downer vor die Tür setzen konnten und das Treiben genießen durften. Anfang
November in Miami sind es um die 25° und man spürt das subtropische Klima. Schweren Herzens haben wir gemacht, was alle Touristen in Miami Beach machen, Cocktails geschlürft und uns die Augen aus dem
Kopf geguckt.
Ein sehr buntes und schrilles Treiben auf der Strandpromenade, mitunter sehr skurril.
Wegen des tollen Wetters könnte ich den Strandurlaub mit einem Sprung in den Atlantik verfeinern. Richtig schöne Wellen, blaugrünes Wasser, schneeweißer Strand. An der Wassertemperatur konnte ich
spüren, dass der Atlantik hier im Einfluss des Golfstroms liegt, sehr angenehm laue Wassertemperatur
Ocean Drive steht immer noch im Modeeinfluss von Versace, dessen Stil allgegenwärtig ist. Auch seine Villa steht noch dort, ein paar Häuser neben unserem Hotel. Die Villa, auf dessen Stufen
zumHaupteingang er erschossen wurde, während sein Mann drinnen beim Frühstück saß.
(Am 15.Juli
1997 wurdeGianni
Versace, als er von einem Zeitungseinkauf zurückkam, auf der Treppe vor seiner Villa „Casa Casuarina“ am Ocean Drive 1116 in Miami Beach erschossen)
Und dann hat uns das subtropische Klima gezeigt, was es innerhalb von 1 Minute kann. Der Regen kam von 1 Minute auf die nächste, war für 10 Minuten extrem stark und danach genauso schnell
verschwunden, wie er gekommen ist.
Am nächsten Vormittag war auf der Strandpromenade dann die offizielle Parade zum Veterans Day, ein Umzug mit Polizei Eskorte, Musikkapellen, Tämtäm, Cheerleader Gruppen, ein paar Veteranen, dem vor
Stolz platzenden Bürgermeister, und zum Schluss eine Dame, die tatsächlich Bonbons in die Menge geworfen hat. Spätestens an dieser Stelle ging kein Weg mehr daran vorbei, eine enge ErinnerungsBrücke
zum Rosenmontagszug zu bilden.
L
M
Zurück in Milwaukee , holte mich der Alltag schnell wieder ein. So kam nachmittags ein Mann mit seinem weißen Auto (auf den Fotos rechts in der Ecke halb verdeckt) vor unsere Notaufnahme
gefahrenunder und sein 17 Jahre alter Bruder rannten ins Krankenhaus, während der Siebzehnjährige schrie: „help me‼️ I am shot“ „the guy in the backseat might be dead!“
Daraufhin flog eine Invasion von Sheriffs vor unser Krankenhaus und riegelte alles ab. Der 17-jährige kam direkt zu uns hoch in den OP und wurde notoperiert, während ein Sheriff
vorderOP-Türe saß und den 17jährigen vor dem Weglaufen hindern sollte, obwohl der natürlich in Narkose war. Festgenommen war er aber auch, könnte ja zumindest theoretisch sein, dass er den Menschen
auf der Rückbank erschossen hatte. Er konnte nicht weglaufen, und er hat das ganze überlebt. Sein Bruder, der ihn ins Krankenhaus gebracht hatte, war selbstverständlich auch festgenommen worden.
Von einem Tag auf den nächsten kam der erste Schnee. Wo gestern noch ein großer PolizeiParkplatz war, war heute alles weiß gepudert.
Der Abschluss des Monats November stand ganz im Zeichen des Thanksgiving, immer der letzte Donnerstag des November. Mit Thanksgiving beginnt hier die Holiday season, die auch Weihnachten mit anfasst.
Thanksgiving ist der höchste Feiertag, traditionell Zusammenkunft der gesamten Familie mit GeschenkeAustausch (nicht Weihnachten wie bei uns), und jeder Truthahn, der nicht bei 3 auf dem Baum ist,
muss dran glauben.
Schon eine Woche vorher hat unser Department ein so genanntes „Friendsgiving“ veranstaltet, für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein großes Buffet aufgebaut, zu dem auch jeder etwas beisteuern
konnte.
Nun ist das letzte November Wochenende angebrochen, von Seiten des College hatten wir Donnerstag und Freitag wegen Thanksgiving Holidays, also frei, und da ich Samstag und heute am Sonntag
keineRufbereitschaft hatte, hatten wir vier Tage Kurzurlaub, den wir genutzt haben, um ein wenig in Wisconsin zu reisen und Wisconsin ein bisschen besser kennen zu lernen. Wir haben uns Door
Countyausgesucht, weil wir viele Empfehlungen bekommen haben, dass es dort sehr schön sein soll. Es ist circa 2 Stunden Autofahrt nordöstlich von Milwaukee, eine Halbinsel zwischen Green Bay und
MichiganSee. Dort hatten wir uns ein Hotel mit Seeblick gebucht und sind dort am Mittwochabend spät angekommen, da ich erst um 18:00 Uhr mit der Arbeit fertig war und wir dann sofort gen Norden
gestartet sind.
Das Frühstück im Hotel am nächsten Morgen war genauso skurril wie das Bier am Abend zuvor in der einzig offenen Kneipe des Ortes. Thanksgiving Vorabend, nur die einsamsten Herzen saßen abends an der
Theke. Immerhin gab es frisch gezapftes aus dem Hahn.
Das Frühstück ist bemerkenswert, den Teig für die selbst zu backen Waffeln kann man aus einer Zapfmaschine ziehen, der Kaffee, typisch amerikanisch, war für mich gut genug, um ihn zu fotografieren,
aber auf gar keinen Fall zu probieren. Ich weiß nämlich schon, wie er schmeckt, und will mir nicht den Tag verderben.
Dann sind wir losgefahren, Door County zu erkunden, und es war ein tolles Erlebnis: wilde, naturbelassene Landschaft, zerklüftete Küsten, auf der Bay Seite der Wind so eisig, dass das Spritzwasser
aus der See am Geländer des Hafens zu Eiszapfen gefroren ist. Natürlich haben wir uns ein leckeres Eis gegönnt.
Dann haben wir eine geologische Besonderheit entdeckt, den so genannten Niagara Escarpment, das so etwas wie eine Erdfalte ist und circa 400 Millionen Jahre alt ist. Diese Erdfalte
spanntsichvomöstlichen Erie-See im Bogen über Michigan nach Wisconsin. Hier verläuft sie über Washington Island über den Rücken von Door County, so dass wir sie mit bloßem Auge sehen konnten. Das
Besondere ist, dass dieses Niagara Escarpment im Osten etwa 650 Meilen entfernt die Klippe bildet, über die der Niagara Fluss zwischen Buffalo und Toronto die Weltberühmten Niagara Fälle bildet. Wir
haben noch eine recht anspruchsvolle Wanderung, weil sie mit einigem klettern verbunden war, direkt an der Kante des zerklüftete Escarpment gemacht und uns über die wilde Landschaft, die wir
durchklettert sind, unglaublich gefreut.
Es mag am Feiertagswochenende gelegen haben, es mag an der Wintersaison gelegen haben, vielleicht hat es aber nur an Door County gelegen, dass es hier unglaublich einsam ist und wir mit dem Autolange
Zeit die einzigen unterwegs waren, geradezu gespenstig ausgestorben, andererseits wunderbar ruhig und friedlich. Der Wald und die Landschaft machen einen sehr unberührten Eindruck, Andrea hatmich auf
das Unterholz hingewiesen, was man in Deutschland so kaum sieht. Zwischen den Bäumen stark zugewachsen, weil unberührt. Dadurch natürlich auch ein Paradies für Tiere, wegen der Tiere imUnterholz.
Auch ein Paradies für Raubvögel, angeblich brüten hier auch die Seeadler. Gesehen haben wir keine, dafür haben wir Schwärme (wir glauben, so nennt man das bei Vögeln) von Truthennen undTruthähnen
gesehen, die im Pulk von zehn oder 15 Vögeln über die Felder liefen. Sozusagen die Glücksritter des Thanksgiving, die es irgendwie geschafft haben, sich vor den hungrigen Amerikanern zuverstecken.
Keck und frech wie sie waren, sind sie dann am Tag nach Thanksgiving auf den Feldern aufgetaucht.
U
V
an dem zweiten Feiertag sind wir Richtung Green Bay gefahren und haben dabei einige Ortschaften passiert, der Namen davon Zeugen, welche Einwanderer sich hier vor circa 150-170 Jahren niedergelassen
haben. Die wilde Natur des Door County scheint offensichtlich Nordeuropäer angelockt zu haben. So haben wir sogar Dänemark besucht, was vor allem bei unseren dänischen Freunden aufLanzarote zugroßer
Freude beigetragen hat.
Green Bay selber ist eine der größeren Städte Wisconsin's, gute 100.000 Einwohner, also etwa so wie Bergisch Gladbach, aber circa 100.000 mal so tot wie Bergisch Gladbach. Selbst historische Gebäude
konnten wir an einer Hand abzählen. Wäre es nicht die Heimat der durchaus berühmten und bekannten Green Bay Packers, die auch dieses Mal wieder gute Chancen haben, den Superbowl zu gewinnen, dann
würde hier in Green Bay vermutlich gar nichts stattfinden. Aber wenndie Packers spielen, ist deren Stadion das Lambeau Field ausverkauft. ImVergleich zu hier sind wir in Milwaukee wirklich gut
aufgehoben, auch wenn in Milwaukee die Kugeln recht tief fliegen.
Gestern, am letzten Tag des Monats November, dem dieses Blog Update gewidmet ist , haben wir noch Washington Island besucht. Die Überfahrt mit der Fähre über den eisigen Michigan See warfürAndreaeine
erneute Herausforderung und wir haben uns sehr an die Fähre nach La Graciosa erinnert. Washington Island ist ungefähr 8 km mal 8 km groß, 64 km², und im Winter offenbar noch einsamer,alswir esohnehin
von Door County schon wussten. Gott sei Dank hatte wenigstens eine der beiden Tankstellen auf. Die kleine Insel ist überwiegend mit Nachfahren von isländischen Siedlern bevölkert. Wir haben
auch hier die wilde Landschaft und Natur bestaunt, waren an einer Stab-Kirche/ Stavkirke im norwegischen Stil, mussten aber insgesamt leider feststellen, dass über den Winter fast alles verschlossen
ist, so dass wir nicht einmal zu einem Kaffee einkehren konnten. Selbst der bekannte Bitter Club war verschlossen. Wir sind dann anschließend mit der Fähre zurück auf dieHalbinsel,gemeinsam mit
einigen Jägern, die offensichtlich auf Washington Island ihren Weihnachtsbraten abgeholt haben.
Zum Abschluss unserer Reise sind wir gestern Abend in Baileys Harbour in der Door County Brewery gewesen und haben uns ein frisch gebrautes Amberlager gegönnt. Nur von der angekündigten samstäglichen
Livemusik hatten wir uns etwas mehr versprochen 🤪🤪🤪
Wir wünschen euch allen einen wunderschönen ersten Advent, wo immer sich unsere treuen Follower befinden, wir versorgen euch mit dem Jahresabschluss-Update in 5 Wochen am ersten JanuarWochenende
(5.1.25), dann aus der weihnachtlichen Europa-Redaktion auf Lanzarote.