Am 1. Oktober haben wir die Schlüssel zu unserem neuen Apartment bekommen und während ich arbeiten war, hat Andrea den Umzug fast alleine gemacht. Nach der Arbeit haben wir auf unserem neuen Balkon mit einem spanischen Cava auf das neue Zuhause angestoßen. Andrea hatte schon die IKEA Kartons ausgepackt und das meiste aufgebaut, lediglich unser Bett mussten wir zusammen aufbauen, da das Kingsize bed vier Hände zum aufbauen brauchte. seitdem sind wir, jetzt schon vier Wochen, in unserem neuen Apartment und sind sehr glücklich. Das Apartment ist groß, ziemlich neu, schön eingerichtet, modern und luxuriös. Die Apartmentanlage ist großzügig, alles funktioniert, Pool, Fitnessraum, Grillplätze, Hausmeister, Autowaschplatz, ausreichend viele Parkplätze, gute Absicherung nach außerhalb durch Zugangstore. 
Wir wohnen ja jetzt im Ortskern von Wauwatosa, im Zentrum des Dörfchens, dem so genannten Village of Wauwatosa oder in der Sprache der Ortsansässigen kurz gesagt: Tosa Village. 

Das Besondere ist: das Dörfchen ist wirklich schön, liegt im Tal des Menomonee Flüsschens über den ich ja schon einige Male berichtet hatte, es ist sehr grün, wir haben viele schöne Parkanlagen, wir haben alles vor Ort in Fußentfernung, einige sehr schöne Restaurants, Cafés und Kneipen, und ich habe es mit dem Fahrrad nur gute 10 Minuten bis zur Uniklinik.
Apropos Kneipen: in Tosa Village gibt es sogar eine eigene Brauerei, big head brewery, sie ist direkt neben unserer Apartmentanlage und besticht durch ihre urige Gemütlichkeit. Man geht rein und fühlt sich gleich „fast wie zu Hause“, riesige Lagerhalle, Betonfußboden, Bierbänke zwischen den Braukessels. Der Braumeister auch gleichzeitig der Besitzer braut hier alle Biere höchstpersönlich und macht den Ausschank sofort vor Ort. Die Biere sind übrigens wirklich sehr lecker, er macht hervorragende Arbeit. Und  in den Ecken stehen Kneipenutensilien der 1980er Jahre inklusive Flipper.
Im Krankenhaus gab es mal wieder eine typisch amerikanische Geschichte, banaler Verkehrsunfall auf einer Kreuzung, die Polizei kommt und nimmt als Erstes einen der Unfallbeteiligten fest, weil er Alkohol getrunken hatte, und nimmt ihn mit ins Gefängnis. Dort kann der Unfallbeteiligte nicht mehr richtig atmen und hat starke Schmerzen am Brustkorb. Erst danach wird er von den Sheriffs zu uns gebracht, denn, so stellt sich raus, er hat sieben Rippenbrüche und eine Milzverletzung. Das Gesetz sieht trotzdem vor, dass die Sheriffs ihn bis in den OP begleiten und auch die Fußfesseln erst öffnen, wenn der Patient durch mich in Narkose gebracht wurde. Und die Sheriffs bleiben auch im OP sitzen, nur für den Fall, dass der Patient plötzlich aus der Narkose aufwacht und schnell wegläuft.
Hauptsache, die Hygienevorschriften werden eingehalten, kein Haar sollte unter der Mütze oder hinter dem Mundschutz hervor schauen.
Außerdem habe ich im Oktober meinen persönlichen „Rekord“ in übergewichtigen Patienten gehabt. In 34 Berufsjahren hatte ich noch keinen Patienten mit einem BMI über 80. traurig, aber wahr: hier in Amerika nicht sehr ungewöhnlich.
Das Highlight des Monats Oktober war ohne Zweifel der Besuch von unserer Tochter Esther, die von Köln zu uns gekommen ist und zwei Wochen lang bei uns war. Sie hat eine Mischung aus Besuch, Urlaub und Home-Office gemacht. Es ist wirklich wahr, sie war sehr fleißig, wegen der Zeitverschiebung hat sie jeden Morgen um 5:00 Uhr angefangen zu arbeiten und hat ihre vorgesehenen Arbeitsstunden gewissenhaft erfüllt. Nachmittags war sie dann fertig und bereit für Unternehmungen. Außerdem hatte sie und wir gemeinsam tolle Ideen, was wir alles unternehmen können.


Wir waren beim Basketballspiel der Milwaukee Bucks gegen die Chicago Bulls. Und selbstverständlich hat es zum Unterhaltungsprogramm gehört, dass die Milwaukee Bucks am Ende 111:107 gegen die Bullsgewonnen haben. Ein durchaus gelungener Abend.
Mit Esther waren wir dann auch in der urgemütlichen Brauerei nebenan.
Wir haben wundervolle Herbstspaziergang gemacht, unter anderem im Park, direkt neben unserer Apartmentanlage, auf den wir von unserem Balkon ausblicken können, in dem der große weiße Wasserturm steht, den ihr auf dem Balkonfoto sehen konntet. Und von dort können wir sogar bis zum Gebäude der Uniklinik blicken, die weit im Hintergrund zu sehen ist.
Wir haben einen Ausflug nach Chicago gemacht, Mitte Oktober, schönstes Wetter, 25°,  haben eine Bootstour über den Chicago River gemacht und sind circa 20.000 Schritte an diesem Tag kreuz und quer gelaufen.
Wir waren in der Oper, berühmt vor allem durch das Milwaukee Symphonie Orchester, und haben Puccinis Oper „Madame Butterfly“ gesehen.

Es war eine tolle Aufführung und es hat wirklich Spaß gemacht. Neu für mich war, dass die italienische Oper mit einem Schriftband über der Bühne ins Englische übersetzt wurde, was allerdingssehrhilfreich war, um die Handlung nachvollziehen zu können. Neu für uns war auch, dass du dir wie im Kino Dein Getränk mit an den Platz nehmen kannst und während der Vorstellung Wasser, Cola, Bier oder Wein trinken darfst. 
Wir waren in der Cocktailbar des Pfister Hotels im 26. Stock Cocktails trinken, während die Vizepräsidentin und Präsidentschaftskandidatin Kamela  Harris vom Secret Service in genau diesem Hotel vorgefahren wurde und wir deswegen auf dem Weg zu unseren Cocktails mehrfach vom Secret Service kontrolliert und überprüft wurden.
Wir waren mit Esther einige Male Golfspielen, haben dabei wunderbare Spaziergänge über sehr sehr schöne Golfplätze gemacht, die sich inzwischen herbstlich veränderten. Und für Eichhörnchen waren sie gerade zu ein Paradies.
Halloween wurde den ganzen Oktober vorbereitet. Überall gab es Kürbis-orangene Accessoires, sogar die Snacks beim Aldi waren orange. Und so wie alles in Amerika groß und viel ist, war auch das Angebotgroß und viel.
Die Vorgärten und Balkone sind zum Teil wie Bühnenbilder dekoriert worden, überall haben wir Skelette gesehen, Grabsteine im Vorgarten, Spinnennetze, gruselige Gestalten. In Chicago haben wir abends einen Vorgarten entdeckt, der wie in einem Horrorfilm aufgebaut war. Das skurrilste war ein Druckknopf außen am Gartenzaun, auf den man drücken konnte, so dass dann im Vorgarten die Figur auf dem „elektrischen Stuhl“ anfing zu zucken. Zu viel für zartbeseidete europäische Seelchen.
Halloween war hier am Donnerstag tatsächlich ziemlich groß, wurde ja auch schon lange vorbereitet, und für die Kinder ist es etwas ganz tolles: sie verkleiden sich und gehen Süßigkeiten einsammeln. Ganz süß !! Wir haben die Kinder mit beleuchteten Kürbissen über die Straßen laufen sehen und an den Häusern klingeln. 

Sogar bei uns im OP hatten sie ein kleines Buffet mit Süßigkeiten aufgebaut. Tricks or treats heißt ja nichts anderes als: gebt uns Süßigkeiten, sonst machen wir Streiche. Und damit wir keine Streiche = Tricks machen, haben sie uns Süßigkeiten = treats gegeben.
Wir hingegen hatten mit Halloween nicht viel zu tun und können uns mit dieser amerikanischen Tradition nicht allzu sehr anfreunden.

Wir waren stattdessen in einer Weinbar mit einem interessanten Geschäftsmodell: in der Bar stehen Tische und Stühle zur freien Verfügung, in den Kühlschränken sind die Weinflaschen hinter Glas, man kann sich den Wein anschauen und die Beschreibung lesen, sich dann ein Glas holen, und mithilfe der Kreditkarte, die man in den Automaten stecken muss, ganz wie an der Tankstelle, sich ein Glas Wein abzapfen. Ob diese Methode der Qualität des Weines gerecht wird, ist sehr zweifelhaft. Außerdem war kein Wein dabei, der uns wirklich vom Hocker gehauen hätte.
Das war unser Bericht für diesen Monat Oktober, der Oktober ist bereits vorbei, unser 9. Monat November hat bereits begonnen, und hier geht es von einem Tag auf den nächsten von Spätsommer in den Winter. Am Donnerstagabend noch 24° und tatsächlichesBiergartenwetter, Freitagmorgen bereits nur noch 3°. es wird zunehmend regnerischer und kühler. Ich habe mir schon für das Fahrradfahren bessere Handschuhe gekauft.

was der November mit sich bringen wird, wissen wir selber noch nicht so genau, aber ihr werdet es am 1. Dezember-Wochenende hier nachlesen können.