Heute ist der 1. September 2024, ich arbeite jetzt genau ein halbes Jahr in der Uniklinik Milwaukee, am 1. März hatte ich angefangen. Heute beginnt also der 7. Monat.
Und heute ist es das erste Mal in diesem Blog, dass ich rückwirkend über den vergangenen Monat (also den 6. Monat) berichte und nicht mehr rückwirkend über die letzte Woche. Ihr erinnert euch, dass ich ab jetzt den Reisebericht monatlich aktualisiere.

Und ihr erinnert euch, dass ich vor einem Monat zuletzt aus Amsterdam berichtet habe, als wir gerade dort angekommen waren. An dieser Stelle setze ich dann den Bericht über Amsterdam fort, denn wir waren insgesamt eine knappe Woche dort. Grund war der “World Congress on Pain”, zu dem ich aus Fortbildunggründen gegangen bin. Denn ich bin Mitglied der Fachgesellschaft(international Association for the study of pain), und unsere Fachgesellschaft hatte gleichzeitig 50. Geburtstag, so dass es auch sehr spannende und hervorragende Festvorträge gab. gleichzeitig haben wir uns aber auch Amsterdam angeschaut, zu Fuß, mit der Straßenbahn und mit einem selbstgesteuerten Boot auf den Grachten. Also haben wir Amsterdam aus allen Perspektiven genossen.
Also zunächst zu Fuß:
Ein Museum haben wir uns herausgepickt: das Rembrandt-Haus, dort hat Rembrandt van Rijn von 1639 - 1658 gewohnt und gearbeitet.
Und dann einen ganzen Nachmittag mit einem gemieteten Bötchen, dass wir selber fahren durften, kreuz und quer durch alle Grachten in der Innenstadt. Noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die Häuser als zu Fuß.
Dann sind wir danach noch mal für zwei Tage nach Köln gefahren, haben unser Haus Iddelsfelder Straße für die Übergabe an die neuen Besitzer fertig gemacht und dann bin ich Mitte August vondortzurücknach Milwaukee geflogen und Andrea ist zur selben Zeit von dort zurück nach Lanzarote geflogen. Andrea ist in Europa geblieben, da sie noch mehrere Veranstaltungen in Frankfurt hatte undsichdas hinund zurückfliegen von USA  dafür nicht angeboten hätte.

Als ich Mitte August nach Wauwatosa zurück kam war der Wasserschaden vom 13. Juli mit Nichten behoben, sondern gleich am nächsten Tag nach meiner Rückkehr kamen die Handwerker für vier Tage und habenin der Küche eine neue Decke eingezogen, alles gestrichen, und einen neuen Fußboden verlegt. Dadurch war die Küche erneut für vier Tage nicht richtig nutzbar. zum Schluss kam eine Dame, die eine eigene Reinigungsfirma hat, und hat die Küche auf Hochglanz poliert. Seitdem ist hier alles wieder wie gehabt. Allerdings hatte ich auch nach meiner Rückkehr sehr viel Arbeit mit dem Garten, es wurde Zeit, den Rasen zu mähen und rund ums Haus alles zusammenzufegen, was die hunderten von Eichhörnchen aus dem Baum heraus geknabbert hatten.
So war ich die letzten drei Wochen hier alleine und habe gemerkt, was Andrea alles leistet, während ich arbeiten gehe. Diesmal musste ich selber einkaufen, selber kochen, selber waschen und allesselber sauber halten. Allerdings nur für eine Person. Ich habe mich in den letzten drei Wochen sehr gesund ernährt und überwiegend Gemüsemahlzeiten gekocht, bin nicht auswärts Essen gewesen und habe keineFertigMahlzeiten besorgt.
Dann hatten wir eine sehr interessante Fortbildung innerhalb unseres Departments zur Akupunktur bei postoperativer Übelkeit und perioperativen Schmerzen, bei der wir uns jeweils zu zweitzusammengetan haben und uns nach Anleitung die Akupunkturnadeln gegenseitig an die richtigen Punkte am Ohr (Hypothalamus, Hypocampus, Lingula, Vagus, Amygdala) gesteckt haben. Ich hatte meine Chefin noch gewarnt, aber schon saß sie neben mir. Sie hatte eindeutig weniger Probleme damit, mich zu behandeln, als damit, von mir behandelt zu werden.
Hier ist der Wahlkampf voll im Gange und durch den offensichtlichen Zuspruch zu den Demokraten mit Kamala Harris und Walz ist die politische Polarisierung in der Gesellschaft noch deutlicher zu spüren. In den Vorgärten hier stehen oft Schilder, die mit den Namen der Präsidentschaftskandidaten auf deren politische Vorliebe hinweist. Überall finden sich, teils polemische, Ausdrücke der politischen Gesinnung. 
Hier ist noch richtig Hochsommer, wir haben seit Wochen hochsommerliche Temperaturen, dazu letzte Woche eine so hohe Luftfeuchtigkeit, wie ich sie zuletzt vor 30 Jahren im Südpazifik in den Tropenerlebt habe, als ich in Fidschi aus dem Flugzeug Ausstieg und mir die Brille beschlug. Letzte Woche ist mir dasselbe passiert, als ich abends um 19:30 Uhr das Krankenhaus verließ Und vor die Türtrat, ist mir prompt die Brille beschlagen. 

Trotzdem verändert es sich hier schon, und die ersten Blätter werden gelb und fallen aus den Bäumen, obwohl noch August. Ich habe schon arge Befürchtungen, dass es hier im September mit dem Sommer vorbei ist und wir Herbst bekommen. Ihr erinnert euch ja, dass auch der Frühling her sehr kurz war, so dass Frühling, Sommer und Herbst in sechs Monate passen, denn von November bis April sind hier ja auch sechs Monate Winter. zu früh, um darüber nachzudenken. 
am Donnerstagabend habe ich einen Kuchen gebacken, weil unser Nachbar Dick am Freitag Geburtstag hatte und 86 Jahre alt geworden ist. Er ist ein sehr freundlicher und netter Nachbar, der sehr einsamist, zumal seine Frau und auch seine beiden Söhne schon verstorben sind und er als einziger seiner Familie übrig geblieben ist. Ich habe ihm offensichtlich eine sehr große Freude gemacht, zumalSchokoladenkuchen sein Lieblingsgeschmack sei, und hab ihm den Kuchen am Freitagmorgen überreicht. 
Seit Samstag, also seit gestern, bin ich in den Nachtdiensten, sieben Nächte hintereinander, jeweils von 19:00 Uhr abends bis 7:00 Uhr morgens, mit sehr viel Programm im OP über Nacht und mit Schussverletzten Menschen jede Nacht. Dafür bekomme ich im Anschluss eine Woche frei, an die ich noch eine Urlaubswoche dranhängen werde, so dass ich nach den sieben Nächten am kommenden Samstag über Madrid nach Lanzarote fliegen werde und dort Andrea wiedertreffe. Dann bleiben wir zwei Wochen auf Lanzarote und kommen am 22. September von dort zusammen wieder hierher zurück. 

Das alles könnt ihr Anfang Oktober im Bericht über den 7. Monat nachlesen und nachschauen.