Jetzt genau ist 1 Jahr Milwaukee vollständig. Am 1. März 2024 hatte ich meinen ersten Arbeitstag am College, so dass wir gestern am 1. März 2025 ein kleines Anniversary gefeiert haben. Aber zunächst lasst mich berichten, wie der 12. Monat, der vergangene Februar, verlaufen ist, auch wenn der Februar recht unspektakulär gewesen ist. Dies hat natürlich auch damit zu tun, dass hier im Februar noch tiefster Winter war, alles eingefroren war, und somit auch unsere Aktivitäten weitestgehend eingefroren waren und wir nicht viel unternommen haben. Außer Arbeiten und dem normalen Alltagsleben ist im Februar nicht viel passiert.

Ihr erinnert euch bestimmt, dass wir vor vier Wochen, am 1. Februar Wochenende aus Key West zurückgekommen sind, wo wir ein tropisches Wochenende am Golf von Amerika/Mexiko verbracht hatten. Dies hatten wir noch im Januarbericht verarbeitet.
Das Alltagsleben beginnt morgens um 5:00 Uhr, dann stehe ich auf, trinke ein paar Tassen Kaffee, versorge Andrea mit Tee, mache mich für die Arbeit fertig, während Andrea mir Frühstück und Mittagessen für den Arbeitstag fertig macht. Um kurz nach 6:00 Uhr geht es los, im Februar teilweise noch bei -23°, um 6:30 Uhr bin ich im Krankenhaus und starte durch. Spätnachmittags gegen 17:00 Uhr, allerdings 8x im Monat auch erst gegen 19:00 Uhr holt Andrea mich von der Arbeit wieder ab. Im Winter bei arktischen Temperaturen fahre ich nicht mit dem Fahrrad, sondern werde im warmen Auto kutschiert. Abends ist meistens nur noch Zeit, zu kochen, zu essen, ein bisschen zu quatschen, Nachrichten zu schauen und früh schlafen zu gehen, meist gegen 21:00 Uhr, denn um 5:00 Uhr morgens geht es ja wieder los.
Die Wochenenden nutzen wir, um schöne Wanderungen, um einen der vielen sehen zu machen, die hier in der Umgebung zahlreich vorhanden sind. Auch der Lake Michigan liegt für uns vor der Türe. Die Golfplätze sind im Winter ja geschlossen, so dass wir diesen Winter an den Wochenenden überwiegend Wanderungen im Schnee gemacht haben.
Hier war es im Winter so kalt, dass Seen und Flüsse schon seit Ende November zugefroren waren, so auch unser Menomonee River, der bei uns durchs Städtchen Wauwatosa fließt.

Das hält selbstverständlich die Menschen nicht davon ab, trotzdem Straßenfeste im Winter zu machen und dabei durchaus sehenswerte Zapfanlagen für frisch gebrautes Bier aufzufahren.
Wir haben im vergangenen Monat eine italienische Pizzeria entdeckt, die von uns Fußentfernung ist, und wo die Pizza tatsächlich ausgesprochen gut schmeckt. Wir sind nämlich keine Freunde der amerikanischen Pizza, die die Amerikaner selbstverständlich für italienisch halten, sondern mögen lieber den Original italienischen Stil. Während Andrea sich eine kleine Pizza bestellt hat, habe ich mich weit aus dem Fenster gelehnt und eine große Pizza bestellt, nicht wissend, was mich Kolossales erwartet. Es kam kein Wagenrad, sondern ein Backblech, von dem ich 1/4 geschafft habe und den Rest für die nächsten (2 !) zwei Tage mitgenommen habe.
Und dann kam auch Gott sei Dank schon das nächste Wochenende mit der nächsten Wanderung im Schnee, um auch die Pizza wieder ab zu trainieren.
Wir sind im Februar sogar einmal in der skurrilen Brauerei gewesen, die direkt neben unserem Apartmentkomplex liegt, und über die wir letztes Jahr schon einmal berichtet hatten. Es ist die Brauerei mit eigenem Ausschank, die in einer urgemütlichen Lagerhalle hinter einem großen Rolltor versteckt ist, von ihrer Gemütlichkeit durchaus gewöhnungsbedürftig ist, aber ausgezeichnetes Bier ausschenkt.
Seit letzter Woche hat sich das Wetter deutlich verändert, die schlimmen arktischen Minusgrade sind weg, manchmal ist es nachts noch -10°, aber tagsüber erreicht es schon vorsichtige Plusgrade, wir hatten sogar schon einmal +8°. Dementsprechend ist der Schnee weggetaut und die Flüsse und Seen tauen auch langsam wieder auf. 

So hatten wir dieses Wochenende das erste Mal wieder eine Wanderung über normale Waldwege, ohne Schnee und Eis. Wir waren am Lake Michigan, wo sich allerdings am Uferrand noch die Eisberge türmen, ein sehr spektakulärer Anblick.
Zum Abschluss des Februar, zum Abschluss des ersten Jahres in Milwaukee, sind wir dann gestern mit unserem Freund Jens, der Urheber unseres Abenteuers ist, weil er uns hierher gelockt hat, einbisschen feiern gewesen. Dazu waren wir im Bryants, einer außergewöhnlichen Cocktailbar, die kein Menü hat, aus dem man seinen Cocktail bestellen könnte. Man bestellt zum Beispiel einen Cocktail mit sauren Geschmack, oder mit süßen Geschmack, und man bestimmt, welchen Alkohol man haben möchte. So habe ich zum Beispiel einen sauren Cocktail mit Gin bestellt, und dementsprechend einen wirklich ausgezeichneten und außergewöhnlichen Cocktail bekommen. 
Zum Abschluss des ersten Jahres möchten wir euch einen Ausblick gewähren, zumal wir ja in dieses Abenteuer gestartet waren, mit der Absicht, dieses Abenteuer zunächst für ein Jahr zu machen. Dann sah es so aus, dass wir doch länger bleiben. Aber tatsächlich haben wir für dieses Jahr schon  deutliche Veränderungen in die Wege geleitet. Ich habe hier in meinem Department und bei meinem Arbeitgeber eine Zusage für dieses Jahr gemacht, allerdings auf 75 % reduziert, so dass die jeweils nur vier Monate arbeite und danach zwei Monate frei habe. Andrea hingegen probiert eine Arbeit auf Lanzarote aus, die ihrer Neigung von hausärztlicher Tätigkeit sehr  nahe kommt. Auch ich habe womöglich Gelegenheit und Optionen, auf Lanzarote zu arbeiten, was wir im Laufe diesen Jahres ausprobieren möchten, um zu entscheiden, ob unser Abenteuer in den USA womöglich in diesem Jahr beendet ist.

Aber zunächst geht es noch weiter, Andrea im März in Deutschland, Tom im März in Milwaukee, und wir halten euch mit unserem Plänen auf dem Laufenden. Bleibt gespannt und neugierig, bestimmt gibt es am ersten Sonntag des April schon wieder spannende Neuigkeiten.